Neuseeland



Nach Neuseeland zu reisen war, anders als bei vielen Menschen, nie ein Traum von mir und ich flog nur in das „Land der langen weißen Wolke“ um zu arbeiten. Dort wollte ich genug Geld ansparen um eine Weiterreise nach Südamerika zu ermöglichen, was sich jedoch schwieriger war als gedacht. Im Endeffekt bewahrheiteten sich meine Vermutungen und Ansichten über das Land und ich kann sagen, dass Neuseeland das einzige Land ist, welches ich nicht ein zweites mal besuchen möchte.
Auf der Nordinsel war ich hauptsächlich mit typischen „Backpackerjobs“ beschäftigt, wie zb. bei Ernten mithelfen und Weinreben zu pflegen („pruning“). Als ich schliesslich Arbeit auf einem der vielen Milchbauernhöfe fand, trampte ich auf die Südinsel nach Ashburton. Die Farm hatte rund 1000 Kühe, die zwei mal täglich gemolken wurden. Ausserdem bestand meine Arbeit im Bau von Koppeln für so viele hungrige Mäuler und in der Wasserversorgung der Wiesen. Die Bezahlung war zwar gut, jedoch für einen so kräftezehrenden Job nicht angemessen – mit wöchentlicher Arbeitszeit von bis zu 70 Stunden und körperlich extrem anstrengend! Nachdem ich auf einer zweiten Dairyfarm mit noch mehr Kühen gearbeitet hatte, wollte ich die angeblich so spektakuläre Landschaft finden. Naturbelassen sind jedoch wirklich nur noch vereinzelte Gebiete, wie zb. der Milford Sound, welcher tatsächlich majestätisch und überwältigend ist. Der Rest des Landes ist Weideland, welches zwar ebenfalls idyllisch aussehen kann, jedoch vom Menschen geformt wurde. Zum ersten mal reiste ich mit einem eigenen Fahrzeug, was zu deutlich bequemerem Reisen führte.
Ich hielt weiterhin Ausschau nach Arbeit, musste jedoch feststellen, dass es kaum Jobs gab und so beschloss ich heimzukehren, um von dort meinen Plan nach Südamerika aufzubrechen, in die Tat umzusetzen.
In der letzten Woche in Neuseeland wurde zu allem Überfluss auch noch mein Van aufgebrochen und dieser komplett ausgeräumt. Was mir blieb waren die Kleider, die ich an dem Tag getragen hatte und Gott-sei Dank auch meinen Reisepass, den Laptop und meine externe Festplatte mit allen Fotos meiner Reise, da ich diese Sachen oft mit mir herumtrage. Doch etwa 25kg Gepäck wurden mir geklaut, einschliesslich meiner Kameraausrüstung mit immerhin 3 nicht billigen Objektiven. Es scheint mir im Nachhinein wirklich verrückt: in Asien hatte ich am Anfang meine Sachen tatsächlich etwas übertrieben aufmerksam „bewacht“, auf diese geachtet und aufgepasst, was gar nicht nötig gewesen wäre, denn obwohl die Menschen dort sehr arm sind und oftmals kaum Besitztümer haben, würden sie doch niemals klauen. Doch das „zivilisierte“, wohlhabende Industrieland Neuseeland scheint bei weitem unsicherer zu sein, wenn ein alter, verbeulter Bus in der Garage eines Supermarktes aufgebrochen wird und die Sachen von jungen Besuchern des Landes allesamt gestohlen und anschliessend verhökert werden. Selbst die Polizei schien mir, um ganz ehrlich zu sein, nicht viel hilfreicher zu sein als die indische...
Da dies nicht der einzige unangenehme Zwischenfall kurz vor meinem Heimflug in Auckland war, war ich einfach nur froh, dieses Land zu verlassen!