Australien



Warum Australien?

Nach Australien zu kommen war seit vielen Jahren mein Traum! Vor allem, weil es als das „Land der Reptilien“ schlechthin gilt, aber auch unglaublich vielseitige Natur und Landschaftsformen beherbergt (von dem trockenen, heißen Outback über tropischen Regenwald bis hin zu Korallenriffen), durch abwechslungsreiche Vertreter der restlichen Fauna fasziniert (um nur wenige Arten zu nennen erwähne ich hier die Helmkasuare, Kängurus, Echidnas, Schnabeltiere, Koalas, Possums, Dingos, Dugongs, Emus...) und die sympathischen Australier dieses Land als reizvolles Ziel ausmachen. Von den australischen Reptilien interessieren mich weniger die giftigsten Landschlangen der Welt, welche im Outback leben, sondern eher die fantastischen Warane und die attraktiven Riesenschlangen, welche hauptsächlich in den nördlicheren Regionen vorkommen und von denen manche phänomenal gefärbt sind (Morelia spilota spilota, Morelia spilota cheynei…). Ein ganzes Jahr dort zu verbringen war für mich ein einzigartiges Erlebnis, da ich mich bei der Erfüllung meines bisher größten Traums unsagbar wohl gefühlt habe und es eine überwältigende Zeit für mich war.


Der Anfang

In Australien angekommen, bestand die erste Aufgabe darin, eine Arbeit zu finden, was ich gerade so vor dem erlöschen meiner wirklich allerletzten Ersparnisse geschafft habe. Von Brisbane flog ich nach Cairns und reiste weiter nach Port Douglas, wo es nicht nur sehr schön sein sollte, wie ich von anderen Reisenden gehört habe, sondern es war auch schnell möglich einen Job zu bekommen – gerade noch rechtzeitig, da auf meinem Konto nur noch ein einstelliger Betrag ein einsames Dasein fristete.
Mein Jahr in Down under wurde eine Kombination aus Arbeit suchen, -finden und je nachdem kürzerem oder längerem Reisen und genießen meiner Zeit in dem für mich mit Abstand grandiosestem Land. Ich muss gestehen dass ich Australien von der Küste bis zum Outback, vom Regenwald bis zur Wüste, vom Busch bis zum Kleinstadtleben einfach liebe! Ich bedauere sehr, dass ich meine lange Zeit dort nicht nur reisend und genießend verbringen konnte, sondern dass ich sehr viel Zeit ins arbeiten investieren musste, da es in der ehemaligen Kolonie Großbritanniens erheblich teurer ist als in den Dritte-Welt- und Schwellenländern Asiens.


Wet Tropics

Dennoch kann ich behaupten, große Teile von Queensland und Western Australia gesehen zu haben. Von Port Douglas im nördlichen Teil der Ostküste, fuhr ich mit dem Fahrrad über 500 km durch das Weltkulturerbe der Wet Tropics, nach Ayr südlich von Townsville. Das Hervorragende an diesem Gebiet ist, dass dort ein National Park am nächsten liegt und man jede Nacht in einem anderen, famosen Schutzgebiet kampieren kann, in denen es überall etwas reizvolles zu entdecken gibt.
Die Wet Tropics of Queensland bestehen aus dem größten zusammenhängenden Stück Regenwald von Australien und trotz der relativ kleinen Größe, im Vergleich mit dem riesigen Land, herrscht dort eine der höchsten Artenvielfalten mit vielen ungewöhnlichen Spezies.
Einer der nördlicheren Punkte der Wet Tropics ist der bei Port Douglas liegende Daintree NP, welcher ein Schutzgebiet der Extraklasse ist! Nicht nur weil es sich um einen makellosen Regenwald handelt, sondern auch weil dort auf nur 0,01% der australischen Fläche rund 20% der Säugetiergattungen Australiens leben, von denen einige endemisch in diesem Gebiet sind. 
Einige der Highlights waren für mich persönlich die zahlreichen „Salties“ (Salzwasserkrokodile, Crocolylus porosus) im Daintree River, das Stoßen auf einen massiven Amethistpython (Morelia amethistina) und die Begegnung mit einem ausgewachsenem Helmkasuar und dessen Küken im Primärregenwald.
Auch in den südlicher gelegenen National Parks gab es einiges an Reptilien, Säugern, Vögeln und Wirbellosen zu entdecken. Ein erwähnenswertes Areal ist Hinchinbrook Island, welches das wichtigste Unterwasser- Weidegebiet der bedrohten Dugongs darstellt.


Fraser Island

Ein weiterer, reizvoller Höhepunkt in Queensland stellt Fraser Island dar, die größte Sandinsel der Welt. Obwohl die gesamte Insel aus Sand besteht, gibt es eine reichhaltige Flora, welche sich in einem Pilzmyzel erklärt, der Nährsalze aus dem Sand löst und den Pflanzen zur Verfügung stellt. Dadurch konnten hauptsächlich subtropischer Regenwald, Eukalyptuswälder, Mangroven und Sanddünen, aber auch Heidelandschaft und Torfsümpfe entstehen.
Auf dieser Insel etwas nördlich von Brisbane gibt es die letzte Population reinblütiger Dingos, das heißt, diese sind die einzigen einheimischen Wildhunde, die sich noch nicht mit eingeschleppten Haushunden gekreuzt haben.
Dieser Fakt und der Regenwald, welcher der einzige ist, der auf Sand wächst, sind die Hauptanziehungspunkte für Touristen. Es ist tatsächlich recht leicht, auf der Insel Dingos ausfindig zu machen, welche zum Beispiel am Strand angeschwemmte Fisch- oder Schildkrötenreste suchen.
Andere Besonderheiten sind der Indian Head, eine Landzunge im Nordosten, von wo aus man gute Chancen hat Wale, Rochen und andere Meeresbewohner zu sichten, die vielen Seen, einige davon kristallklar, einige rotgefärbt durch natürlich auftretende Gerbstoffe, und die wüstenähnlichen Flächen von Sanddünen, welche teilweise sehr verschieden gefärbten Sand haben.
Ich empfand Fraser Island als besonders packend wegen der vielen Wildlife Beobachtungen und der Kontraste zwischen Sandwüste und feuchtem Ur- oder Palmenwald, dem stürmischen Wind des Pazifik und der Ruhe der Inselseen.


Western Australia

Die wenigsten Besucher Australiens bereisen dessen Westküste, hauptsächlich weil der Osten bekannter und besser erschlossen ist. Doch das heißt nicht, dass es sich nicht definitiv lohnen würde WA (Western Australia) zu sehen und zu erleben. Die Westküste hat ihren ganz eigenen Charme, Wildlife und Besonderheiten. Der größte Teil des Staates besteht aus Wüste, wobei am Küstenstreifen etwas milderes Klima herrscht und der Norden tropisch ist.
Meine erste Zeit an dem abgeschiedenen Ende arbeitete ich für Kost und Logis auf einer kleinen Fischfarm mitten im Outback. Diese Art des Arbeitens –auch WWOOFing, von Willing Workers On Organic Farms- ist besonders toll zum Kennenlernen des Lebensstiles, denn man bekommt zwar kein Geld, aber einen sehr guten Einblick in das außergewöhnliche Leben der Einheimischen. In meinem Fall war ich beeindruckt mit welcher Normalität und vor allem wie viele Menschen auf kleinen, abgeschiedenen Farmen leben, welche teilweise hunderte von Kilometern von der nächsten Stadt entfernt sind. Die nette Familie, die mich bei sich aufnahm war ganz besonders offen und freundlich. Ich lernte unglaublich viel in der Farm „Alandi Ponds“: wie die Menschen mit der Abgeschiedenheit zurecht kommen, wie der Nachbarschaftszusammenhalt funktioniert, wie die Aboriginies vor einigen Generationen hier gelebt haben und wie sie dies heute tun, wie man sich auf einer kleinen Farm über Wasser halten kann, wo man Handyempfang hat (mit dem Quad zum nächsten „Telefonierhügel“ fahren), wo man Emus, Kängurus und Bobtails findet und mit welchen Problemen die ersten Siedler in dieser Gegend konfrontiert waren.
Davon möchte ich hier kurz erzählen, da ich es persönlich sehr interessant finde.


Die Anfänge der Siedler WAs

Vor sehr langer Zeit war der Meeresspiegel um einiges höher, was bedeutet dass das Meer weiter ins Land hineinreichte. Irgendwann nach der Eiszeit, ist der Meeresspiegel dann zurück gegangen und hat mehr Land frei gegeben: die heutige Küste vom Strand bis 200km landeinwärts. Das Problem ist, dass in dieser Gegend logischerweise der Boden sehr salzig ist. Auch sandig, aber das ist das kleinere Problem. Als die ersten Weißen kamen, wollten sie das Land roden, um Felder anzulegen. Das haben sie auch angefangen, und um es noch zu beschleunigen, wurde den überlebenden Soldaten, die im Krieg gedient und diesen überlebt haben, eine bestimmte Fläche Land unter der Bedingung gegeben, dass sie es innerhalb von 2 Jahren urbar machen, ansonsten wird es ihnen wieder weg genommen. So wurden in kurzer Zeit große Flächen des Landes völlig kahl geschlagen. Ich kann nicht genau wiedergeben warum und wie, aber fest steht, wenn keine Pflanzen auf dem salzigem Boden sind, kommt das Salz an die Oberfläche und das ist sehr, sehr schlecht, da man auf diesen Flächen, wo man deutlich eine weiße Salzschicht erkennt, nichts anbauen kann, weil es kaum Pflanzen gibt, die auf solch unfruchtbarem Boden wachsen. Nun wurden die Bauern dazu ermutigt, mehr anzubauen und das Land wieder zu bepflanzen, doch das war nicht so einfach, denn die Salzflecken vergrößerten sich mit enormer Geschwindigkeit und die nicht nutzbaren Flächen wurden größer und größer. Ein Wettlauf mit der Zeit hatte begonnen. Es wurden bestimmte, einheimische Pflanzen gefunden, die auf wundersame Weise das Salz im Boden verkraften und sogar resorbieren können. Jedoch kann man diese auch nicht direkt auf das Salz auf der Oberfläche pflanzen und muss "an den Rändern" anfangen. Es ist also sehr wichtig, dass auf diesem Küstenstreifen Pflanzen wachsen, sonst kommt alles Salz an die Oberfläche und verwandelt alles in eine Wüste.
Einige der salzresistenten Pflanzen sind z.B. der „Old man Saltbush“ (Atriplex nummularia) und der “River Saltbush” (Atriplex amnicola) welche in der Baumschule nachgezogen wurden, auf der ich später auch arbeitete.


Arbeiten auf den Alandi Ponds

Diese Fischfarm nordöstlich von Perth hat mehrere Teiche in denen „Silver perchs“ (eine Barschart aus Südostaustralien) gezüchtet werden. Diese müssen nicht nur regelmäßig gefüttert und auf ihre Gesundheit gecheckt werden, sondern natürlich muss man sie auch fangen um sie an Restaurants in Perth zu verkaufen. Dies geschieht mit riesigen Netzen und schweißtreibender Arbeit. Neben der Arbeit mit den Fischen und im Garten habe ich dort auch das Autofahren gelernt. Das Outback ist der perfekte Ort um dies zu tun, da es fast nur gerade Strassen und gar keinen Verkehr gibt. Doch nach einer Weile lernt man nicht nur das Quad und das „normale“ Auto fahren, sondern auch das vorsichtige Fahren eines Pickups mit mehreren hundert Litern Wasser und einigen hundert lebenden Fischen auf der Ladefläche.
Von den Alandi Ponds aus ist es nicht weit zum Nambung National Park mit den berühmten Pinnacles. Dies sind spitze Sandsteinformationen, die aus dem Wüstensand ragen und so ein einzigartiges Bild abgeben.
In und um die Fischfarm konnte ich allerlei prächtige, kriechende Tiere aufstöbern. Meine Favoriten darunter waren eindeutig die „Bobtails“ bzw. Blauzungenskinke oder Tannenzapfenechsen (Tiliqua rugosa) die ein sehr urtümliches Äußeres und einen sehr angenehmen, friedfertigen Charakter haben. Wie der Name schon vermuten lässt haben sie eine tiefblaue Zunge, welche sie bei vermeintlicher Bedrohung dem Feind entgegenstrecken um ihn abzuschrecken. So leicht ließ ich mich aber nicht abschrecken und behielt ein paar von ihnen für einige Tage in Gewahrsam um sie zu beobachten und ihr Verhalten zu studieren. Ich bin wirklich angetan von ihrem liebenswerten Wesen!
Obwohl sie nicht den Eindruck von Intelligenzbestien machen, besitzen sie einen sehr gut ausgeprägten Orientierungssinn. Dieser ermöglicht ihnen, ihre Heimat (in diesem Falle die Farm von Albert West) wiederzufinden, selbst wenn sie etliche Kilometer von dieser entfernt ausgesetzt werden. Wir gaben es im Endeffekt auf, sie wieder und wieder auszusetzen ...


Die Küste von Western Australia

Wie schon erwähnt ist WA touristisch bei weitem nicht so erschlossen wie Queensland, und ist um einiges trockener, hat aber dennoch viel zu bieten. Angefangen bei Perth, welche die abgelegenste Stadt der Welt ist, über die oben schon erwähnten Pinnacles, den Kalbarri National Park mit dem „natures window“, eine Felsformation durch die man auf die umgebende karge Landschaft und den Murchison River schauen kann, bis hin zu Monkey Mia in der Shark Bay. Dort hat vor einigen Jahren ein Fischer regelmäßig Fischreste ins Meer gekippt und damit wilde Delfine (Grosse Tümmler, Tursiops truncatus) angelockt. Diese wiederum lockten Touristen an und heute ist es ein bekannter und beliebter Ort für alle, die diese Tiere aus nächster Nähe sehen möchte. Sie kommen jeden Morgen an den Strand, lassen sich bewundern und es scheint, als staunen auch sie über die Menschen, während sie sich ins knietiefe Wasser wagen um die Leute auf der Seite schwimmend besser betrachten zu können. Sie werden von Freiwilligen mit kleinen Fischen gefüttert und neben einem Resort ist in Monkey Mia auch ein Museum entstanden.
Weiter nach Norden bin ich leider nicht gekommen, weil ich auf einer Baumschule weiter südlich Arbeit gefunden habe. Dort verbrachte ich einige Monate.


Greenoil Tree Nursery

Diese Baumschule liegt bei Mingenew in der Nähe von Geraldton, etwa 400 km nördlich von Perth. Es werden rund eine Million Bäume aus 40 Arten herangezogen um diese an Farmer und Projekte in Western Australia zu verkaufen. Wie im Abschnitt über die Anfänge der Besiedlung bereits erwähnt, ist die Bepflanzung des zur Steppe verkommenen Küstenstreifens ein wichtiges Anliegen des Staates und es gibt viele große Unternehmungen einheimische Pflanzenarten wieder anzusiedeln. Meine Aufgabe war unter anderem die Sortierung der Setzlinge nach ihrer Größe und das Verladen von Hunderttausenden von Bäumchen. Zu der Zeit kannte ich die lateinischen und englischen Namen aller Baumarten die wir in der Baumschule hatten und konnte diese auch den Bäumen zuordnen.
Um unsere Wohnhäuser entdeckte ich immer mal wieder Bobtails, Schlangen und etwas regelmäßiger eine kleine Agamenart die sich „Central Netted Dragon“ oder Ctenophorus inermis nennt. Diese kleinen „Drachen“ sind reine Wüstenbewohner und sind bestens an die Lebensweise im Outback angepasst.