Indonesien



Indonesien besteht aus über 17.000 Inseln (6000 davon sind bewohnt) und alle Regionen sind zweifelsohne sehr interessant. Da man bei jedem Aufenthalt ein Visum für „nur“ 2 Monate bekommt, entschied ich mich, bei jedem Besuch eine andere Gegend, Insel oder Inselgruppe zu besichtigen, da mir diese Zeit bei weitem nicht ausreicht.
Im Rahmen dieser Reise entschied ich mich für die zweitgrößte Insel Indonesiens, direkt neben dem Festland von Malaysia: Sumatra.
Die Insel ist durch ihre charakteristische, langgestreckte Form gut zu erkennen und besitzt eine größere Fläche als Deutschland. Entlang der Westküste erstreckt sich eine Gebirgskette, die durch die Nordwärtsbewegung der australischen Platte, welche direkt vor der Küste liegt, regelmäßig von Erdbeben erschüttert wird.
Durch bedeutende Erdölvorkommen erwirtschaftet die Insel rund 70% des Einkommens von Indonesien, obwohl die Nachbarinsel Java 10mal so viele Einwohner besitzt.
Die Regenwälder mit dazugehöriger Flora und Fauna sind ihre Besonderheit und das Hauptziel der wenigen Touristen der Insel. 2004 sind Sumatras Wälder als Naturdenkmal in die UNESCO-Liste des Welterbes aufgenommen worden, unter ihnen befindet sich auch der Gunung-Leuser National Park, welchen ich später ausführlicher erwähnen werde. Diese tropischen Regenwälder beherbergen die größte Artenvielfalt indonesischer Inseln.

Von Pulau Penang, an der Ostküste Malaysias, fuhr ich mit der Fähre nach Medan, einer der bevölkerungsreichsten Städte Sumatras. Ich hatte den Gunung-Leuser NP, welcher bekannt ist vor allem für seine Orang Utans, aber auch für die stark bedrohten Sumatra-Tiger und –Nashörner, im Visier und wie in Malaysia suchte ich mir auch hier einen anderen Eintrittspunkt. Um von Medan nach Ketambe, welches in der Provinz Aceh zwischen zwei Gebirgen liegt, zu gelangen, nahm ich eine sehr lange und anstrengende Busreise mit einem der öffentlichen Busse auf mich. Das besondere an diesem kleinen Ort ist, dass es einer der wenigen ist, in denen man wilde Sumatra-Orang Utans, welche im Gunung Leuser NP leben, im Regenwald und in der Nähe des Ortes sehen kann. Im Vergleich zu den um Bukit Lawang ausgewilderten und halbzahmen Tieren, bedeutet dies, dass sie Menschen nicht aus nächster Nähe gewohnt und somit ein wenig scheuer sind. Dennoch hat man gute Chancen, einzelne Tiere in den Baumwipfeln während einer Wanderung zu erblicken. Neben einer solchen Begegnung mit einem Exemplar dieser hochbedrohten Art waren andere Highlights für mich der grandiose Urwald an sich, riesige, knapp 20cm große Ameisen, die vereinzelt auf dem Waldboden anzutreffen waren, vielerlei exotische Wirbellose und die Begegnungen mit Thomas-Languren (Presbytis thomasi).
Um trotzdem die Orang Utans aus geringerer Entfernung zu erleben, fuhr ich im Anschluss in das Bohorok Rehabilitations-Zentrum in Bukit Lawang. Dort werden, wie schon oben erwähnt, Orang Utans ausgewildert, die illegalen Schmugglern abgenommen oder aus sonstigen Missständen in menschlicher Gefangenschaft befreit wurden. Die in die Natur entlassenen Tiere werden noch täglich gefüttert, welches ihnen hilft, in der Natur zu überleben, was sie natürlich auch in der Nähe des Menschen bleiben lässt und somit von Interessenten betrachtet werden können.
Nicht missen wollte ich den Danau Toba, Südostasiens größten Süßwassersee mit dem Volk der Batak. Ebenso besuchte ich die Stadt Padang an Sumatras Westküste, welche bekannt für extra scharfes Essen ist, was noch aus den Zeiten vor Kühlungsmöglichkeiten stammt. Ebenso schockierend war für mich das Miterleben eines kleinen Erdbebens, während ich mich in einem Hochhaus aufhielt.
Außergewöhnlich war für mich ein Besuch des Tesso Nilo National Parkes, welcher erst 2004 gegründet wurde und der eigentlich noch nicht für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Er ist, wie der Gunung Leuser NP, eines der letzten Rückzugsgebiete der schätzungsweise 300 überlebenden Sumatra-Tiger² (Panthera tigris sumatrae), Sumatra-Orang Utans (Pongo abelii) und besonders wichtig für die Sumatra-Elefanten (Elephas maximus sumatranus), da es einer der letzten Regenwälder, groß genug für eine stabile Population ist³. Damit letztere nicht aus dem noch recht kleinem NP kommen und Felder sowie Dörfer der Einheimischen zerstören, wurden vom WWF Ranger und Elefanten trainiert, die um den National Park ziehen, damit die Wildtiere in diesem Habitat bleiben. Bei einem ihrer Patrouillen konnte ich sie, ebenfalls auf einem Elefanten reitend, begleiten.
Trotz großer Bemühungen des WWF Indonesiens geschehen immer noch illegale Rodungen und Wilderei im und um den geschützten Tiefland-Regenwald. Dem ist leider nur schwer Widerstand entgegen zu setzen.




²Quelle: RSPB, März 2008
³Quelle: WWF International – Sumatran elephant species profile