Malaysia



Von dem ärmeren Land Sri Lanka kommend, kann einen der Reichtum, die Fülle und vor allem die Sauberkeit Malaysias glatt umwerfen! Das Phänomen des Kulturschocks erlebte ich hier ein zweites mal, diesmal jedoch von dem Wohlstand und der Üppigkeit geschockt und nicht wie in Indien von der Armut. Am meisten bemerkbar macht sich dies in der Hauptstadt Kuala Lumpur, wo ich, wie in allen Städten, nur kurze Zeit verbrachte.
Es stand fest, dass ich den Taman negara National Park, den ältesten und wichtigsten NP auf dem Festland Malaysias, sehen wollte. Dieser wird von fast allen Besuchern Malaysias durch den Eingang in Kuala Tahan betreten, auch von denen, die nicht übermäßig an Natur interessiert sind, ihn jedoch als touristisches Ziel „abhaken“ wollen, da er eine wirkliche Besonderheit ist, denn er besitzt den angeblich ältesten Regenwald der Welt. Ganz nach meinem Motto „Wenn ich etwas mache, dann richtig“, entschied ich mich, den Wald fernab von touristisch ausgetretenen Pfaden und Nobelresorts zu begehen, die für mich persönlich in einem Regenwald einfach unpassend sind.
Aus Informationen einiger Bücher erfuhr ich, dass es noch einen nördlichen Eintrittspunkt in dem Bundesland Kelantan und einen östlichen in dem Staat Terengganu gibt, welche ich ins Auge fasste. Natürlich hat es seinen Preis, an unbekanntere Orte zu gehen und so gibt es nach Kuala Koh in Kelantan keine öffentlichen Verkehrsmittel und da mir ein Taxi von Gua Musang aus zu teuer war, trampte ich, was sich als weitaus einfacher und angenehmer entpuppte als ich je gedacht hätte. Rasch stellte ich jedoch fest, dass sich der Aufwand des Informierens und längeren Weges durchaus gelohnt hat, denn was mich erwartete war ein wahrhaft abgeschiedener, unberührter und traumhaft ungestörter Primärregenwald. Ich verbrachte einen Monat im Taman negara und konnte in dieser Zeit nicht nur außerirdisch wirkende Insekten, asiatische Waldelefanten und einige relativ seltene Blaumaulagamen (Aphaniotis fusca) sehen, sondern ich lernte auch eine sehr angenehme Gruppe Malaien kennen, die einen Canopywalk in den Wipfeln der Regenwaldriesen bauten. Unter anderem konnte ich so die „Baustelle“ betreten und schon mal als Erste den noch unfertigen Baumkronenpfad erklettern, was nicht nur eine ganz andere Sicht erbringt, sondern auch die Möglichkeit schafft, einen Blick auf baumbewohnende Reptilien und Vögel zu erhaschen. Schwindelfrei sollte man definitiv sein, wenn man über wacklige, waagerechte Leitern mit nur einem dünnem Netz zwischen Leiter und „Abgrund“ geht, von wo aus man an den Füßen entlang etwa 50m hinab in die Tiefe des Waldbodens blicken kann.
Von meinem Vorhaben, Pulau Tioman zu besuchen, rieten mir meine malaiischen Freunde ab, da die Insel touristisch sehr überlaufen ist. Statt dessen machten sie mich auf die Nachbarinsel Pulau Pemanggil aufmerksam, welche eine ähnliche, nur eben noch ungestörtere Natur besitzt, da nur etwa 20 Menschen auf ihr leben. Dort verbrachte ich einige weitere Wochen, in denen ich den Primärregenwald erkundete und zum ersten mal in meinem Leben schnorchelte – es bot sich mir eine grandios farbenfrohe Unterwasserwelt. Als Folge meiner Dummheit, dieses in der Mittagshitze zu unternehmen und der langen Zeit im Wasser, begründet durch die Faszination, war ich für die nächsten paar Tage wegen des enormen Sonnenbrandes außer Gefecht gesetzt...
Durch die außerordentliche Hilfsbereitschaft der Bewohner Malaysias, kam ich in den Genuss, das heutige Leben der Orang Aslis (Ureinwohner) in für sie geschaffenen Dörfern zu erleben. Es ist traurig, deren Geschichten zu hören, nach denen sie vor nur einigen Jahrzehnten noch im und vom Regenwald lebten, mit der an jenes Leben angepassten Weise, mit Waffen zum Erlegen ihrer Beutetiere (damals hauptsächlich Affen), die über Jahrhunderte hinweg perfektioniert wurden und mit Fähigkeiten und Wissen, welche nunmehr in Vergessenheit geraten. Heute sind sie mit westlicher Kleidung ausgestattet und wurden gezwungen, ihre nomadische Lebensweise aufzugeben, auf Kosten des Staates zu leben und arbeitslos in ihren Dörfern dahin zu vegetieren.
Nachdem ich mir den wohl weltweit einzigen Schlangentempel auf Pulau Penang angeschaut habe, welcher etliche Waglers Lanzenottern (Tropidolaemus wagleri) beherbergt, setzte ich mit der Fähre nach Sumatra über.